7. überarbeitete Neuauflage

Wir vom Jahrgang 1957

Jutta Weber-Bock, selbst Jahrgang 1957, nimmt Sie mit auf eine Reise in Ihre Vergangenheit.

Jahrgang 1957 – das war die Generation der Kurzschuljahre, Hula-Hoop-Reifen und des Apfelshampoos. Die Großmütter dufteten noch nach 4711, viele Mütter verrichteten Heimarbeit und die Väter arbeiteten auch samstags. Als Jugendliche erlebten wir die 70er-Jahre mit Anti-Atomkraftprotesten, Frauenbewegung, ABBA und Disco-Fieber. Wir trugen fast alles: Mini und Plateauschuhe, Boots und Röhrenjeans, Bundeswehrparka und Palästinensertuch.

... ein guter Jahrgang – 1957!
Von uns Mädchen wären wohl manche lieber Jungen gewesen, etwas schien uns am hergebrachten Rollenverständnis nicht zu stimmen. So interessierten sich einige von uns schon früh für Mopeds und Bohrmaschinen und haben später das Motorradfahren oder das Heimwerken zu ihrem Hobby gemacht. Ohne rebellisch zu werden, fanden wir stets genügend Lücken im gesellschaftlichen System, die wir für uns besetzen konnten. Wir waren zu jung für die 68er-Zeit und auch zu jung
für die Frauenbewegung, aber alt genug, um uns unsere Rechte zu nehmen. Ein Jahrgang, der nicht lange fragt, sondern handelt. Manchmal sind wir anderen ein wenig zu schnell, haben wir doch den technischen Fortschritt hautnah mitbekommen. Noch zur Zeit der Kohleöfen sahen wir die ersten Fernsehbilder. Später holten wir Koteletts und Eis aus der Gefriertruhe und lebten im Zeichen des Autos, auch wenn unsere Eltern sich vielleicht noch keines leisten konnten. Geprägt von den Anekdoten unserer Lehrer über Vertreibung und Krieg, hatten wir trotz der Ereignisse Ende der 60er-Jahre zunächst nur ein theoretisches Verhältnis zu Geschichte und Politik. Kriege waren schrecklich, aber sie passierten nur noch im Fernsehen.
Erst die Bürger- und Umweltschutzbewegung konnte uns Mitte der 70er-Jahre für sich gewinnen. Mit der Ölkrise 1973 waren wir plötzlich am Ende der Wohlstandsgesellschaft angekommen, die die Eltern doch nur für uns erarbeitet hatten. Die als Alternative zum Öl angepriesene Kernkraft war jedoch vielen nicht geheuer und so demonstrierten wir in der Wilstermarsch gegen Brokdorf und später in Gorleben.
1975 wurde das Wahlalter auf 18 Jahre herabgesetzt, und so nutzen wir im folgenden Jahr unsere Chance, endlich mitbestimmen zu können und nahmen auch regen Anteil am übernächsten Wahlkampf mit Franz Josef Strauß als Kanzlerkandidaten. Wir verfolgten aufmerksam den ersten Einzug der Grünen in ein Landesparlament, wählten später aber selbst den individuellen Weg des Protests und nahmen an der Demonstration im Bonner Hofgarten teil.
Wir pilgerten nicht zum polnischen Papst, sondern zum unmöglichen Möbelhaus aus Schweden und nutzten für unsere Urlaubsfahrten nach Süden das Tramperticket. Wegen der Arbeitslosigkeit schon in den 70er- und 80er-Jahren mussten viele von uns zum Teil mehrfach ihre Berufswahl revidieren. Doch als „ein guter Jahrgang“ fanden wir stets neue Wege – für uns und andere.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir vom Jahrgang 1957 - Kindheit und Jugend

7. überarbeitete Neuauflage

Wartberg-Verlag (1. November 2016)

12,90 Euro, gebunden, 64 Seiten
zahlreiche farbige Fotos
ISBN-10: 3831330573
ISBN-13: 978-3831330577

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