Zu Gast in der "wortbar" - Campusradio für Stuttgart und Ludwigsburg -
UKW-Frequenz (Region Stuttgart): 88,6 MHz, Live-Stream weltweit auf horads.de
am 22. Juli 2014, 21:00 - 22:00 Uhr
Interview-Beiträge und Lesung unter: http://www.mixcloud.com/tag/jutta-weber-bock/
Weitere Infos und Bilder: http://www.weber-bock.de/gast_horads2014
Presseinformation zum Sendeformat "wortbar" (pdf)

Erfahrungsbericht
Meine ersten Worte ins Mikrophon, fremd klingen Begrüßung und Dank zur Einladung für mich selbst über den Kopfhörer. Keine Zeit nachzudenken, wie es für die Hörer wirkt, schon kommt die erste Frage von Sara Rehm: „Wer bist du?“, unangestrengt, leicht und flüssig. Ich beginne zu reden, und mein Ohr fühlt sich wohl - ich schreibe, also bin ich.
Ich schreibe, also bin ich ist zu meinem Lebensmotto geworden. Und meine Worte - gesprochen und im gleichen Augenblick diesem Mikrophon anvertraut - werden zur Selbstvergewisserung. Ich erzähle, wie ich als Kind als Hans-guck-in-die-Luft oft auf die Nase gefallen bin. Sara Rehm lacht mit ihrem Rücken, nur den sehe ich von ihr. Sie aber hat einen Spiegel und mich gut im Blick. An unserem Aquarium, das an einer Wand steht und von drei Seiten eingesehen werden kann, gehen neugierige Augen vorbei. ON AIR. MICRO. Ich habe es beobachtet und mich selbst belauscht. Vor der „wortbar“ lief eine kommentierte Musiksendung, wie mir schien, schalldicht ist das Studio nicht, aber sympathisch, ich bin also „draußen“ zu hören, in doppeltem Sinne.
Mikrophonpause. Technikbesprechung. Ich lerne, dass ich in einem „Bett“ rede, es darf nicht zu kurz sein (wenn ein "Loch" entsteht, springt der Not-MP3-Aggregator an und sendet Musik vom Band), aber auch nicht zu lang, sonst werde ich abgeschnitten. Merle Giebeler verlängert „mein Bett“. Ich bin zwar nicht groß, aber rede viel mehr, als ich dachte. So mein subjektiver Eindruck von den ersten sechseinhalb Minuten.
„Was war dein größter Erfolg?“, fragt Sara Rehm. Damals 1995 - fast zwanzig Jahre sind es nun schon - die erste Veröffentlichung, die Kurzgeschichte „Lykische Nacht“ im Magazin MADAME. Merle Giebeler präsentiert das Cover für alle, die uns mit der Webcam durch die Sendung folgen. Ich erwähne, dass MADAME mir die Tür zum Schriftstellerverband geöffnet hat, der damalige Vorsitzende in Baden-Württemberg und heutige Bundesvorsitzende, Imre Török, hatte auch eine Geschichte dort veröffentlicht. So begann es.
Und nun fliegen meine Worte ins Mikrophon, sieben Minuten lang, über Kreatives, Schreibtechniken und Textformen - schon darf ich Glücksfee spielen und das Thema für den „Frischgemixten“ ziehen. Ich patze, warte nicht wie verabredet auf den Trommelwirbel, der aber wird einfach wiederholt, um die gewohnte Spannung aufrecht zu erhalten. Ich sage das Schreibthema an: „Farbe.“ Merle Giebeler schwebt mit ihrem Schreibblock durch die Studiotür, die sich zischend öffnet. Nebenan beugt sie sich über das weiße Blatt. Ich weiß, sie wird einen sprechenden Anfang finden, ihre Texte tun sich leicht damit, entwickeln einen typischen Sound. Nach meiner Lesung - erstaunlicherweise nur elf Minuten, ich hätte auf mehr getippt - sehe ich, wie Merle Giebeler noch immer schreibt. Fünf Minuten bleiben ihr für den „Frischgemixten“, verkündet Sara Rehm ON AIR und spielt Musik. Keine Fragen mehr, ich bin erleichtert, aber hätte ich noch ...
... doch jetzt hat Merle Giebeler das MICRO - Blau der Anzugträger, schwarz wie die Nacht, die nicht schwarz ist. Muss alles eine Farbe haben? Der Text antwortet mit einem vehementen JA und fordert „Color your life“ - Merle Giebeler trägt als einzige Farbe im Studio, mintgrün - beige und schwarz können nicht dagegen halten. Lebendig, launig - lebensfroh, der „Frischgemixte“ und die Wortbar mit Sara Rehm und Merle Giebeler. Herzlichen Dank! „Color your life“ - letzte Worte. Ich schreibe, also bin ich.

Bildergalerie

Mehr Bilder auf der Homepage des Fotografen Wolfgang Haenle

Ein Tipp für alle Hörerinnen und für Autoren:
Im Stuttgarter Schriftstellerhaus am Charlottenplatz, in der Kanalstraße 4, gibt es regelmäßig am ersten Donnerstag im Monat eine offene Runde: Das Forum der Autoren. Dort kann jede/r selbst geschriebene Prosatexte oder Lyrik lesen und über das Gehörte diskutieren.
Nächster Termin: 7. August 2014, 19:30 Uhr
Weitere Infos: http://www.stuttgarter-schriftstellerhaus.de/