La vie spirituelle

Schon 6 Uhr morgens rastloses Gebimmel
oh liebe Frau, wir brüten auf dem Berg
bauen auf Entwürfe für ein pralles Werk
mit Bildern aus dem Schöpfungsgewimmel

wir schreiten. Eidechsen stieben in die Ritzen
gewärmter Steine, Seelenschlitze
die Raupe aber kann nicht hetzen
ihr Ausweg ist, sich tot zu stellen

die Bäume säuseln verhüllte Zeichen
vom drängenden Uhrschlag ungerührt
und unten ruht das profane Tal
in das das Alphorn abends röhrt

dann brüllen die Vögel ein letztes Mal
bevor das Dunkel den Tag erwürgt

Claudia Luz
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Der liebste Gast

Mit staatlich gestärkter Sahnehaube und
Bratenorden an der Brust tritt der Koch
An den Tisch zum Fruktivor

Reicht ihm die Wassermelone
Schnitz an Schnitz Melonenschnitze
Für zwanzig der Fruktivor isst sie alle

Der Koch schiebt den Früchtekorb nach
Das können Sie alles noch essen
Der Fruktivor schält und schlürft

Macht Kiwi um Kiwi kalt
Der Korb bleibt übrig
Durch die Küche ruft der Koch

Wo ist die Wassermelone
Wer hat die Wassermelone geklaut
Reißt sich den Orden von der Brust

Schreitet mit stattlich gestärkter
Melonenhaube über den Markt
Melonen Melonen ich lasse euch reifen

Esther Ackermann
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