Interview mit buchwurm.org anlässlich der Premierenlesung im Hospitalhof
Die Stuttgarter Schriftstellerin Jutta Weber-Bock hat am 8. September 2020 im Hospitalhof Stuttgart ihren ersten historischen Roman „Das Mündel des Hofmedicus“ vorgestellt.
Im Gespräch mit Hospitalhof-Leiterin Monika Renninger berichtet die Autorin von ihren Recherchen in Gerichtsakten, ihrer Spurensuche vor Ort und ihrem Anspruch, historisch genau und zugleich spannend den Lebensweg einer jungen Frau des 19. Jahrhunderts nachzuzeichnen.
Monika Renninger: Ein historischer Roman lebt von historischen Spuren. Wie haben Sie Ihr Thema gefunden, oder war es umgekehrt – das Thema hat Sie gefunden?
Jutta Weber-Bock: Es ist immer beides. Hinter den Spielkarten Herzsieben und Ecksteinsieben steht ein realer Kriminalfall, auf den ich gestoßen bin. Für ein Buchprojekt hatte ich zur Stuttgarter Stadtgeschichte recherchiert. Am Wilhelmsplatz beginnt die »Hauptstätter Straße«. Auf diesem Platz stand früher die Hauptstatt (Richtstätte), im Volksmund »Käs« genannt, eine kreisrunde Erhöhung. Dort wurden bis 1811 die öffentlichen Enthauptungen durchgeführt.
Ich wollte eigentlich etwas schreiben über eine Kindsmörderin, die auf dem „Käs“ hingerichtet worden war, und deren Motive erforschen. Im Staatsarchiv Stuttgart bin ich dabei auch auf das Schicksal der Giftmörderin Christiane Ruthardt gestoßen und bei ihr hängengeblieben. Ich war sehr erstaunt, wie viel es über sie in den damaligen Zeitungen und auch in der heutigen Presse gab. Vor nicht allzu langer Zeit ist erst ein Artikel in der Stuttgarter Zeitung mit dem Titel „Gift für den Gatten“ über sie erschienen.
Zu Ihrer Frage: Ich denke, man wählt seine Themen nicht aus, sondern sie laufen einem hinterher, drängen sich auf. Das ist nicht von mir, sondern von Gustave Flaubert. Man geht durch eine Tür und es öffnen sich weitere. Man geht durch viele hindurch, manchmal auch vergebens. Ich habe recherchiert zu Christiane Ruthardt, wollte einen Roman schreiben und nicht einfach ihr Leben nacherzählen.